Akitas aus dem Westerwald

Die Pyometra beim Hund

Was ist eine Pyometra ?

Einfach ausgedrückt ist eine Pyometra eine Infektion (bakterielle Entzündung) in der Gebärmutter. Durch diese Entzündung sammelt sich Eiter in der Gebärmutter an – daher spricht man auch von einer Gebärmuttervereiterung.

Ursache:

Im Ablauf der Läufigkeit ist die Ursache für diese Erkrankung zu sehen. Durch das Östrogen ist die Abwehrfähigkeit gegen Krankheitserreger herabgesetzt, gleichzeitig sind jedoch der Muttermund und der Gebärmutterhals für Keime passierbar. Durch diese Keime entwickelt sich eine lokale Infektion, denn mit dem Ende der Läufigkeit schließt sich der Muttermund wieder, die Abwehrkraft der Uterusschleimhaut nimmt zu und es kommt zur Bildung einer eitrigen Flüssigkeit, die die verschlossene Gebärmutter nicht verlassen kann.  Häufig entstehen sehr große Eitermengen, so dass die Gebärmutter durch die starke Füllung auch platzen kann, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig bemerkt wird.  Das hat den Tod der Hündin zur Folge.

pyo.jpg
Es gibt aber auch die offene Pyometra, bei der ein blutig-eitriger, teils übel riechender Ausfluss durch den geöffneten Muttermund abfließen kann.  Diese Form  hat einen milderen Verlauf  und wird durch den Ausfluss der Hündin oder durch ihr fortgesetztes Lecken  früher bemerkt.

Der Progesteronlevel  bleibt für 8-10 Wochen nach der Läufigkeit erhöht und verdickt damit die Uteruswand als Vorbereitung für eine Trächtigkeit. Falls während mehrerer Zyklen der Hündin keine Trächtigkeit eintritt, verdickt sich die Uteruswand immer weiter, bis sich in ihr Zysten bilden. Die verdickte, zystische Wand sondert Flüssigkeit in den Uterus ab, die einen idealen Nährboden für Bakterien darstellen.

pyo_zy.jpg

Ein ebenfalls häufiger Auslöser von Gebärmutterentzündungen ist die Behandlung von Hunden mit Medikamenten auf Progesteronbasis zur Läufigkeitsunterdrückung.  Einige Medikamente die zur Behandlung bestimmter Krankheiten des Geschlechtsapparates eingesetzt werden enthalten beide Hormone - Östrogen und Progesteron. Östrogen kann zusätzlich die Effekte des Progesterons auf die Gebärmutter verstärken.

Symtome:

Hat eine Hündin vermehrten Durst und erhöhten Harnabsatz und ist dazu noch unkastriert,  sollte man hellhörig werden, da dies immer ein Verdachtsfall für eine Pyometra  ist, besonders wenn  ein vaginaler Ausfluss oder ein vergrößerter und tastempfindlicher Bauch hinzukommt. Die Hündin zeigt  lange Zeit keinerlei Symptome und oft bemerkt man die Erkrankung erst in fortgeschrittenem Stadium.  Häufig hat sie auch eine erhöhte Temperatur, die zu Teilnahms- und Appetitlosigkeit führt. Erbrechen, Durchfall, und Abmagerung, trotz vergrößertem Bauchumfang, kann ebenfalls auftreten und vielleicht bevorzugt die Hündin das Liegen auf kalten Untergründen, um die Entzündung zu kühlen.

Diagnose:

Eine Diagnose kann meist schon anhand der klinischen Symptome erfolgen. Zusätzlich erfolgt eine endgültige Abklärung mittels Ultraschall oder Röntgen.

Bei der Blutuntersuchung zeigt sich  ein deutlicher Anstieg der weißen Blutzellen und oft auch eine Erhöhung der Globuline (Proteine) im Blut. Das spezifische Gewicht des Urins ist durch den toxischen Effekt der Bakterien auf die Nieren sehr niedrig.  Nicht nur die Nieren, sondern auch das Herz und die Leber  können durch die Stoffwechselprodukte der Bakterien in Mitleidenschaft gezogen werden.

Therapie:

Die häufigste Behandlung und sicherste Prophylaxe ist die Kastration – dabei werden die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernt. Da die Hündinnen oft sehr krank sind, ist dieser  Eingriff keine Routineoperation, wie es bei einer gesunden Hündin ist.

Ist der Allgemeinzustand der Hündin bereits so schlecht, dass das Narkoserisiko nicht verantwortet werden kann oder wenn es sich um eine Zuchthündin handelt, dann kommen auch medikamentöse Therapien in Frage.

Es werden hier entweder Prostaglandine*  oder Antigestagene angewendet. Beides wird mit Antibiotika kombiniert. Diese Behandlungen sind nicht nebenwirkungsfrei, und sie wirken auch erst nach einiger Zeit, so dass bei einer Hündin mit weit fortgeschrittener Pyometra das Risiko zu groß sein kann.

*Prostaglandine sind eine Gruppe von Hormonen, die den Blutspiegel an Progesteron reduzieren, den Gebärmutterhals entspannen und öffnen und den Gebärmutterkörper kontrahieren, um Eiter und Bakterien auszuscheiden. Sie haben allerdings einige wichtige Einschränkungen:

  • Sie lösen Nebenwirkungen wie Unruhe, Hecheln, Erbrechen und Bauchschmerzen aus. Diese

treten 15 Minuten nach einer Injektion auf und halten einige Stunden an. Bei jeder weiteren Behandlung werden sie geringer. Sie können aber durch ein sofortiges 30-minütiges Spazierengehen nach der Injektion gemildert werden.

  • Es gibt keine klinische Besserung in den ersten 48 Stunden nach Behandlungsbeginn, so

dass schwerkranke Tiere schlechte Chancen haben.

  • Da die Prostaglandine den Uterus zusammenziehen, besteht die Gefahr, dass dieser reißt

und die Infektion in den Bauchraum gelangt. Dies passiert besonders bei noch geschlossenem
                Gebärmutterhals.


Es gibt einige wichtige Statistiken bezüglich dieser Behandlung:

  • • Die Erfolgsrate für die Behandlung einer offenen Pyometra ist 75-90%.
  • • Die Erfolgsrate für eine geschlossene Pyometra liegt bei 25-40%.
  • • Die Wiederauftrittsrate für diese Erkrankung beträgt 50-75%.
  • • Die Chance einer erfolgreichen erneuten Trächtigkeit liegt bei 50-75%.

Eine akute Pyometra ist ein absoluter Notfall !! Zusammenfassend kann man sagen, dass bei einer offenen Pyometra die medikamentöse Behandlung oft eine Alternative ist. Bei einer geschlossenen Pyometra ist die Erfolgswahrscheinlichkeit niedriger, und oft ist es bei Entdeckung der Krankheit auch schon zu spät für relativ langdauernde Behandlungen. Im Gegenteil,  eine sofortige Notoperation ist erforderlich.

Es liegen verschiedene Studien zur Altersabhängigkeit der Pyometra vor. Alle Autoren stimmen darin überein, dass diese Erkrankung am häufigsten bei Hündinnen auftritt, die das sechste Lebensjahr bereits überschritten haben.  Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 6 und 9,4 Jahren. Nach vielen Jahren und Läufigkeiten ohne eine Trächtigkeit verändert sich die Uteruswand (siehe „Ursache“) was eine Pyometra begünstigt.

Noch etwas zur Kastration einer gesunden Hündin:

Werden bei einer Kastration nur die Eierstöcke, nicht aber die Gebärmutter entfernt , dann ist das verbleibende Restrisiko, doch an einer Pyometra zu erkranken, verschwindend gering.  Der hormonelle Einfluss, der die Bedingungen für die Krankheit schafft, ist durch die Entfernung der Eierstöcke nicht mehr gegeben.

Das Risiko, dass die Hündin an einer Pyometra erkranken könnte, ist also ein Argument für eine Kastration, aber nur sehr bedingt für die gleichzeitige Entfernung der Gebärmutter.

Dieser Artikel von mir ist im Mitgliederforum des Akita Club e.V. 04/2013 erschienen

back.gif